Weltfrauentag: Besonderer Schutz für Frauen und Mädchen auf der Flucht gefordert

 

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März 2016 fordert die oberbergische Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier (SPD), flüchtende Frauen und Mädchen besonders zu schützen und den gesellschaftlichen Einsatz gegen sexualisierte Gewalt zu verstärken.


Millionen von Frauen und Mädchen sind weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Krieg und Zerstörung, aber auch vor Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“, die in den von ihnen kontrollierten Gebieten Frauen systematisch entführen, vergewaltigen und versklaven.

Sexuelle und psychische Gewalt gegen Frauen und Kinder wird als brutale Waffe eingesetzt. Berichte über Verschleppungen, Vergewaltigungen, Folter und Mord sind der Hauptgrund für die Flucht vieler Frauen. Doch auch in den großen Flüchtlingslagern können sie sich nicht in Sicherheit wägen: Hier sind sie Übergriffen teilweise schutzlos ausgeliefert. Stigmatisierung und Ausgrenzung sind in vielen Fällen die Folge. Hier fehlt es an Frauenzentren, spezialisiertem Personal, sicheren Räumen sowie längerfristiger psychosozialer Begleitung für Überlebende sexualisierter Gewalt.

„Der besondere Schutz flüchtender Frauen und Mädchen ist unsere Pflicht, denn geschlechtsspezifische Verfolgung ist nach der Genfer Flüchtlingskonvention als Fluchtgrund anerkannt“, so Engelmeier. „Frauen und Mädchen sind während ihrer Flucht Ausbeutung und sexueller Gewalt meist hilflos ausgesetzt. Darum müssen endlich legale und sichere Zugangswege nach Europa geschaffen werden. Zudem muss hier in Deutschland der Ausbau von separaten Schlafplätze und Sanitäranlagen in Aufnahmeeinrichtungen und Unterkünften speziell für alleinfliehende Frauen und Mädchen vorangetrieben werden“.

Mehr als ein Viertel der weltweit rund 60 Millionen Flüchtenden sind Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Die Flucht ist für sie von besonderen Belastungen und Gefahren geprägt. Auf der sogenannten Balkanroute sind aktuell bis zu achtzig Prozent der Flüchtenden Frauen und Kinder.

„Es existiert eine eklatante Schieflage hinsichtlich der geschlechterspezifischen Gleichheit in vielen Teilen dieser Welt“, so Engelmeier weiter. „Auch direkt vor unserer Haustür, wie uns die Vorfälle von Sonntag in der Türkei auf drastische Weise vor Augen führen. Die Regierung Erdoğan steht nicht nur wegen Fragen der Bürgerrechte oder der Meinungs- und Pressefreiheit in der Kritik, sondern ins besonders auch wegen ihrer Frauenpolitik“.

Die türkische Polizei hatte am Sonntag eine Demonstration in Istanbul zum Weltfrauentag gewaltsam aufgelöst. Dabei feuerten die Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas in die Menschenmenge im Bezirk Kadıköy. Dort hatten sich am Hunderte Frauen versammelt, um für eine Stärkung ihrer Rechte zu demonstrieren. Die konservativ-islamische Regierung hatte die Veranstaltung aus angeblichen Sicherheitsgründen verboten.

Seit über 95 Jahren wird der Internationale Frauentag auf ganzen Welt gefeiert. Der Gedenktag soll daran erinnern, dass Frauen auch im 21. Jahrhundert immer noch in verschiedenen Bereichen des Lebens benachteiligt und unterdrückt werden. Ungleiche Löhne, eingeschränkte Rechte, Arbeitsverbot oder Beschneidung sind hier unter anderem die vieldiskutierten Themen. Der Internationale Frauentag (International Women’s Day) entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen und kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

„Es ist noch ein weiter Weg, bis die Gleichstellung der Geschlechter Realität wird. Der Schutz von Frauen und unser Einsatz gegen sexualisierte Gewalt muss ausnahmslos und zu jeder Zeit politische Priorität haben. Noch immer werden Menschenrechtsverletzungen wie die Gewalt gegen Frauen, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und Zwangsheirat tabuisiert – dieses Schweigen müssen wir endlich brechen“.