Verstoß gegen Olympische Werte – Vorfälle von Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus und politische Propaganda bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro

 

„Ich bin entsetzt über die Meldungen antisemitischer und rassistischer Vorfälle, die uns aktuell aus Rio erreichen“, so die Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier. „Was hier passiert ist gegen alles, wofür der Sport und die olympische Idee stehen und darf nicht ohne Konsequenzen bleiben“.

Nach der Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag im Maracana-Stadion hatten sich Teilnehmer aus dem Libanon geweigert, gemeinsam mit israelischen Athleten in einem Bus zu fahren. Die libanesischen Sportler saßen bereits im Bus, als die israelischen Sportler ebenfalls einsteigen wollten. Libanons Teamchef Salim al-Haj Nicolas bestand darauf, dass die Türen geschlossen bleiben. „Ich blockierte den Eingang des Busses mit meinem Körper, obwohl ich wusste, dass manche der israelischen Sportler sich vorbeidrängen wollten und auf Ärger aus waren“, so der Funktionär. „Es gab über 250 Busse. Warum wollten sie ausgerechnet mit uns fahren?“. Um einen diplomatischen Zwischenfall zu vermeiden, wurde den israelischen Sportlern schließlich von den Organisatoren der Olympischen Spiele ein anderer Bus zugewiesen. Mittlerweile hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) den libanesischen Teamchef für seine Aktion verwarnt. Salim al-Haj Nicolas wurde angehalten, sein Verhalten nicht zu wiederholen.

In einem weiteren Fall versuchte die saudi-arabische Judoka Joud Fahmy einen möglichen Kampf gegen die israelische Judoka Gili Cohen zu umgehen. Cohen hatte ihren Erstrundenkampf gewonnen und konnte somit möglicherweise die nächste Gegnerin von Fahmy werden. Die von Fahmy als Grund der Absage genannte Verletzung, die sie sich im Erstrunden-Match zugezogen haben will, wird von Judoexperten bezweifelt. Wahrscheinlicher scheint die Absicht gewesen zu sein, ein direktes Aufeinandertreffen saudi-arabischer und israelischer Judoka zu verhindern.

Auch der derzeitige Vorsitzende des Palästinensischen Olympischen Komitees, Vorsitzende der Palästinensischen Sportbehörde, des palästinensischen Fussballverbands und stellvertretender Sekretär des Zentralkomitees der Fatah, General Dschibril ar-Radschub, lässt keinerlei Zweifel an seiner Gesinnung. Seine Lebenserfahrung habe ihn gelehrt, dass „Widerstand nicht nur militärischer Widerstand ist“, sagte er bereits vor einigen Jahren in einem Interview. Eines Tages habe er begriffen, dass „unsere Ziele auch mit anderen Mitteln erreicht werden konnten“, so Radschub – eines davon sei der Sport.

Beispiele hierzu lieferte er bereits unzählige Male: Während eines Forums für arabische Sportjournalistinnen lehnte er jegliche Beziehung zu Israel auf dem Gebiet des Sports ab und nannte die Juden „Satane“ und „zionistische Hurensöhne“. Die gemeinsame Teilnahme arabischer und jüdischer Kinder an einem Fußballspiel lehnte er ab, mit der Begründung „Jegliche Aktivität, die auf eine Normalisierung der Beziehung zum zionistischen Feind auf dem Gebiet des Sports zielt, ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.“. Auch international kämpft Radschub seit Jahren für einen Sportboykott gegen jüdische Israelis und versucht, Sanktionen gegen israelische Sportverbände zu erwirken. An Perversion kaum zu überbieten sind dabei seine Anordnungen, Sportturniere nach Personen zu benennt, die Juden getötet haben. Die Mörder sollen so auch zu Vorbildern für Kinder und Jugendliche werden.

Doch der Zwist zwischen arabischen und israelischen Delegationen ist nicht der einzige ethnische Konflikt bei den Spielen in Rio. So hatte Serbiens Sportminister Vanja Udovicic seine Sportler bei den Olympischen Spielen zum Boykott von Siegerehrungen mit Athleten aus Kosovo aufgerufen. „Wir können nicht der Hymne zuhören und die Flagge ansehen. Deshalb haben wir als verantwortungsvolle Regierung die Empfehlung abgegeben, wie sich unsere Athleten in dieser Situation verhalten sollen“, sagte Udovicic. Auch auf der Homepage des staatlichen Rundfunks wurde veröffentlicht, dass die serbische Regierung ihren Olympiastartern die Empfehlung gegeben habe, in diesem Fall das Podium zu verlassen.

Aber auch offener Rassismus und Diskriminierung zeigen bei den Spielen ihr hässliches Gesicht: Die dunkelhäutige brasilianische Volleyball-Spielerin Fabiana Claudino hat schon zwei Mal mit ihrem Team olympisches Gold gewonnen. Bei den Olympischen Spielen ist sie Spielführerin und trug Anfang Mai als erste Sportlerin die olympische Flamme durch Brasilien. Trotz des Ruhms oder gerade deshalb ist die 31-Jährige immer wieder Ziel rassistischer Hohngesänge. „Du Äffin“ und „Geh doch Bananen essen.“ grölt es etwa aus dem Publikum.

„All diese Vorfälle wiedersprechen dem Gedanken der Olympischen Spiele“, so Engelmeier. „Die Spiele dürfen nicht ungesühnt für offenen Antisemitismus, Rassismus oder politische Propaganda missbraucht werden“.

In der Olympischen Charta heißt es in Kapitel 1: „Alle Formen der Diskriminierung mit Bezug auf ein Land oder eine Person, sei es aus Gründen von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Motiven, sind mit der olympischen Bewegung unvereinbar.“ Wer diese Prinzipien nicht beachtet, muss entweder suspendiert werden oder darf überhaupt keine Akkreditierung erhalten. Zudem verbietet die Charta jedwede „politische, religiöse und rassistische Propaganda“.

„Die Vorfälle konterkarieren den vielbeschworenen jugend- und völkerverbindenden Gedanken der Olympischen Spiele“, so Michaela Engelmeier. „Ich fordere das Internationale Olympische Komitee auf, sich an die olympische Charta zu halten und diese konsequent umzusetzen und einzufordern. Auch die Weltverbände müssen klar Stellung gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung beziehen und Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen.“