Rede Michaela Engelmeier zum Antrag der LINKEN: Anti-Doping Gesetz für den Sport Vorlegen

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir beraten heute also den Antrag der LINKEN und ich muss zugeben, als ich den Titel des Antrags zum ersten Mal las, da musste ich schon schmunzeln. „Anti-Doping- Gesetz für den Sport vorlegen“.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der LINKEN, seien sie versichert: Das Läuft!! Wissen Sie auch warum? Weil viele Mitglieder dieses Hohen Hauses – ganz besonders aus der SPD, die es im Koalitionsvertrag verankert hat –ausdauernd und erbittert für ein solches Gesetz gekämpft haben.

Ein Gesetz, das genau jene Ziele erfüllt, die Sie in Ihrem Antrag aufgeschrieben haben: Sie wollen „Sportlerinnen und Sportler und den Wettbewerb im Sport vor unlauteren Manipulationen in Form von Doping schützen“. Und Sie wollen „Die Autonomie des Sports berücksichtigen“.

Als sportpolitische Sprecherin meiner Fraktion, kann ich Ihnen sagen: Ja, das wollen wir auch.

Mir fallen da einige Kolleginnen und Kollegen ein, die (schon länger als ich) hier im Haus genau dafür eintreten – ja regelrecht kämpfen. Und nicht nur in der Politik, auch in der Gesellschaft treffen diese Ziele auf eine breite Zustimmung. Doch geht es eben nicht nur darum, was wir wollen, sondern auch, wie wir es erreichen möchten!

Die Werte des Sports – und das ist für mich als Sportlerin keine Floskel – das sind Fairness, Respekt und Toleranz. Aber die Werte sind auch das Bewusstsein für und die Achtung vor Gesundheit.

Um diese Werte zu schützen, bedarf es einer leidenschaftlichen Kraftanstrengung. Es ist die Aufgabe der Politik, dies zu leisten. Sport und Politik sind sich dabei sehr ähnlich. Im Sport muss man konzentriert und leidenschaftlich für das Team und die Ziele, die man verfolgt eintreten. Geduld und Ehrgeiz sind dazu ebenso notwendig, wie Sachkenntnis und der Wille, sich weiterzuentwickeln.

Und Politik? Nun der berühmte Soziologe Max Weber meinte: „Politik bedeutet ein starkes und langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ Das gilt meines Erachtens auch für den Sport und ganz besonders für die Sportpolitik. Das harte Brett – das Anti-Doping-Gesetz – kann nur durch leidenschaftlichen Einsatz und mit zuverlässiger Sachkenntnis gebohrt werden.

Doch leider fehlt dem Antrag der LINKEN genau das; Augenmaß und Leidenschaft. Denn einige Forderungen sind teilweise etwas realitätsfern: Da soll die NADA eine Zusammenfassung der negativen Auswirkungen von Arzneimitteln zum Muskelaufbau herausgeben.

Und alle Sportvereine, Sporteinrichtungen und Fitnessstudios werden verpflichtet, Ausdrucke dieser Zusammenfassungen anzubringen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der LINKEN, wie darf ich mir das denn in der Praxis vorstellen? Wer bezahlt das und vor allem wer soll das denn kontrollieren, macht das Herr Gysi persönlich? Im besten Fall kommt dabei sowas heraus wie bei den Jugendschutzgesetztafeln, die hängen in üblen Spelunken übrigens gerne mal in der Ecke hinter dem Feuerlöscher.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist die Aufgabe der Sportpolitik, den Sport konstruktiv und kritisch zu begleiten. Nicht den Sport zu regeln, sondern einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der es dem Sport überhaupt erst ermöglicht, seine Autonomie und seine Integrität zu wahren. Dafür liebe Kolleginnen und Kollegen von der LINKEN, ist einiges nötig von dem, was Sie in Ihrem Antrag schreiben.

Und – hören Sie genau hin – ich teile Ihre Ziele! Doch muss ich Ihnen leider sagen: Wir setzen diese Ziele besser um! Ich möchte heute nichts vorweg nehmen, doch ich kann Ihnen versichern, da kommt etwas auf Sie zu.

Sie fordern die Definition von Doping, Dopingmitteln und Dopingmethoden. Das regeln wir! Man kann das übrigens recht aktuell gestalten, indem die Definition einfach aus dem „internationalen Übereinkommen gegen Doping im Sport“ übernommen wird. Aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen? Sie fordern ein gutes Anti- Doping-Gesetz, das den genauen Adressatenkreis benennt und die Straftatbestände festlegt. Das regeln wir!

Wir wollen aber noch mehr. Wir möchten ein Gesetz, das die konkrete Anwendung von Doping unter Strafe stellt und eine Dopingprävention ermöglicht. Darüber hinaus muss aber auch die Produktion und der Handel von Dopingmittel beachtet werden.

Leidenschaft und Augenmaß, meine Damen und Herren, nur so werden die dicken Bretter der Politik gebohrt, nur so kommen wir zu einem differenzierten und ausgewogenem Anti-Doping-Gesetz.

Für ein solches Gesetz streitet die SPD-Bundestagsfraktion schon lange mit Leidenschaft und Augenmaß. Und dieses Gesetz, liebe Kolleginnen und Kollegen, das wird kommen!

Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.