Primark? Nein Danke!

Wer zahlt den Preis wenn Kleidung billig ist?

Arbeitsbedingungen

Das wir uns heute Kleidung in Massen kaufen können ist ein Luxus den wir kaum als solchen wahrnehmen: denn wir können eine Jeans schon ab 3,99€ kaufen und ein T-Shirt bereits ab 1,99€. Für etwa 140 Arbeitsschritte – vom Sähen der Baumwolle bis zum Auslegen im Laden – ist das ein Spottpreis.

Wie ist es möglich, dass Kleidung für so wenig Geld erhältlich ist? Auf welche Weise wird Textilware hergestellt? Profitieren wir von einer billigen Textilindustrie? Wer ist verantwortlich?

Das Problem der Textilbranche liegt darin, dass die Verteilung des Geldes dass wir als Endverbraucher für ein Kleidungsstück ausgeben nicht gerecht erfolgt. Die Näherinnen und Baumwollpflückerinnen bekommen nur einen sehr geringen Anteil und die Textilunternehmen, also z.B. Nike bekommen einen übermäßig großen Anteil: Eine Hose die im Laden etwa 100€ kostet, kostet in der Produktion gerade mal um die 3€. Eine Näherin bekommt umgerechnet etwa 14 Cent pro Stunde, das reicht selbst in armen Ländern wie Kambodscha, Bangladesch oder Pakistan nicht, um davon leben zu können. In Kambodscha wurde der Mindestlohn im Oktober 2015 auf 124€ angehoben, die Gewerkschaften der Arbeiterinnen und Arbeiter forderten 160€. Eine gelernte Arbeiterin in Bangladesch verdient ~64€ monatlich. Zum Vergleich: der Existenzlohn liegt in Bangladesch bei knapp 260€ im Monat. Durchschnittlich muss eine Arbeiterin aus der Textilindustrie mindestens 70% ihres Lohns für Reis ausgeben, den sie braucht um ihre Familie zu ernähren.

 

Die geringen Löhne sind nicht das einzige Problem in der Textilbranche. Auch Umweltverschmutzung, instabile Fabrikgebäude, keinerlei Mutterschutz, unendlich viele notwendige Überstunden, kein Urlaubsanspruch, keine Möglichkeit die tägliche Notdurft während der Arbeit zu verrichten, kein Recht auf Gewerkschaftsbildung –und Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, keine Versicherungen sowie keine medizinische Versorgung sind an der Tagesordnung. Es gibt Berichte u.a. von NETZ (http://bangladesch.org/bangladesch/wirtschaft-und-armut/textilindustrie.html) dass Frauen an ihrem Arbeitsplatz beschimpft, diskriminiert und geschlagen werden.

 

 Quelle: https://billiget-shirtswerzahltdenpreis.jimdo.com/unser-projekt/

Das ist noch nicht alles: Arbeiterinnen arbeiten meistens unter menschenunwürdigsten Bedingungen: 14-16 Stunden Arbeit an jedem Tag der Woche, keine Pause, kein Urlaub, vergitterte Fenster, zugestellte Notausgänge, kein Kündigungsschutz, kaum Sicherheitsstandards, Kündigung bei Beteiligung an Gewerkschaften, sexuelle Belästigung. Arbeiterinnen in den Textilfabriken fallen oft in Ohnmacht, weil es dort so stickig ist. Viele der Näherinnen leiden an Herz- und Nierenproblemen weil sie während der Arbeit keine Zeit haben etwas zu trinken oder sich kein Wasser leisten können. Zudem ist die Schadstoffbelastung in den Fabrikräumen enorm hoch.

 

Die Situation der Baumwollbauern

In der Frankfurter Rundschau vom 15.Dezember 2016 gab es einen Bericht über Baumwollbauern in Indien. Es war von einem Mann die Rede, der sehr hohe Geldschulden hatte, diese nie hätte zurückzahlen können und darauf keine andere Lösung als Selbstmord fand. Dies sei in Indien keine Seltenheit. Die Bauern hätten aufgrund von Trockenheit und genmanipulierten Samen mehrere aufeinanderfolgende Missernten gehabt. Darauf folgt Armut und hohe Verschuldung.

Nun gibt es aber neue Wege, die den Bauern genau an dieser Stelle helfen sollen. Sie lernen in Schulungen ertragreichere Baumwolle durch gezieltere Anwendung von Pestiziden und bedachterem und präziserem Verwenden von Wasser anzubauen und so ihre Felder effektiver zu nutzen. Dank der „Better Cotton Initiative“ können die Baumwoll-Bauern nun wieder Baumwollerträge ernten, die sich sehen lassen können und ihre Existenz sichern.

Es gibt also positive Beispiele dafür, dass es möglich ist als Baumwollbauer erstens genug Geld zu verdienen um gut für die Familie sorgen zu können, zweitens keine Nebenwirkungen der giftigen Stoffe erleiden zu müssen und drittens eine sichere Arbeit zu haben.
Daher setzt sich die SPD-Fraktion verstärkt dafür ein, an diesen Bedingungen für die Baumwolllieferanten zu verbessern.

 

Kinderarbeit

Besonders betroffen von unfairen Produktionsweisen sind Kinder: Kinderarbeit ist eine Folge von materieller Armut, aber sie ist auch der Ursache für Armut, denn wer von klein auf in Textilfabriken arbeitet, ist von Bildung ausgeschlossen und wird später nicht beruflich aufsteigen können. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

Statt in die Schule zu gehen, müssen Kinder arbeiten weil sie die Familie miternähren müssen, oder weil sie sehr früh verheiratet werden und dafür eine hohe Mitgift zahlen müssen, die sie selbst erwirtschaften müssen. Es gibt keine soziale Sicherung.

Kinderarbeit ist schwer, gefährlich und es passieren viele Unfälle. Außerdem werden die Kinder in ihrer physischen und geistlichen Entwicklung gestört und ihrer Rechte beraubt.

Wenn Epidemien, Krankheiten oder Viren ausbrechen, sind Kinder oftmals vollständig auf sich allein gestellt, weil die Eltern krank oder bereits gestorben sind. Dann sind die Kinder auf ihre eigene Arbeit angewiesen, oder sie schließen sich mit anderen Kindern zusammen und verdienen ihr Geld gemeinsam.

Im Jahr 2015 gab es im asiatischen und pazifischen Raum 77,8 Millionen Kinder zwischen 7 und 15 Jahren die arbeiten. In Bangladesch arbeiten 10% aller Kinder zwischen 5 und 14 Jahren und knapp 7% der 7-14jährigen in Bangladesch kombinieren das Arbeiten und die Schule. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste arbeiten rund 2 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Insgesamt gibt es wohl etwa 168 Millionen arbeitende Kinder zwischen 5 und 17 Jahren. Die meisten von ihnen sind unter 15 Jahren.

Weltkarte der Kinderarbeit

Die Bildungssysteme in Entwicklungsländern sind meistens schlecht ausgebaut. Lehrkräfte fehlen, Schulbesuche sind teuer, Regierungen fördern den Schulbesuch zu wenig, es besteht keine Schulpflicht.

Es gibt oft keine Behörden, wie das Jugendamt, die sich darum kümmern, und die Behörden die es gibt, ebenso wie die Polizei, sind oft korrupt und sehen nur den Selbstprofit.

Es gibt zwar oft Gesetze die Kinder vor harter Arbeit schützen und sie zum Schulbesuch verpflichten, diese Gesetze werden jedoch kaum eingehalten. Das macht deutlich, dass das Problem in der Umsetzung, nicht beim Einführen der Gesetze liegt.

 

KINDER HABEN RECHTE!
(UN-Kinderrechtskonvention: https://www.kinderrechtskonvention.info/ )

  • #27 Lebensbedingungen: Jedes Kind hat das Recht, unter guten Bedingungen aufzuwachsen und sich körperlich, geistig, seelisch, sittlich und sozial auch angemessen entwickeln kann. Es soll für Dich und jedes Kind also einen bestimmten Lebensstandard geben, damit niemand in unwürdigen Umständen leben muss. Die Regierung ist verpflichtet, Familien zu unterstützen, die sich diesen Standard nicht leisten können.“
  • #28 Recht auf Bildung: Jedes Kind genießt das Recht auf Bildung. Deshalb sind die Regierungen dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle Kinder kostenlos zur Grundschule gehen können. Und auch müssen! In den Schulen darf keine menschenunwürdige Behandlung stattfinden. Auch im Bereich der Bildung sollen die reichen Länder die ärmeren unterstützen.“
  • #32 Verbot von Kinderarbeit: Kinder müssen vor allen Arbeiten geschützt werden, die ihnen gefährlich für Körper und Seele sein könnten oder sie davon abhalten, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen. Denn Kinder sollen nicht arbeiten müssen, anstatt in die Schule zu gehen. Niemand darf die Arbeitskraft von Kindern ausnutzen.“

 

Probleme von Frauen und Mädchen

Arbeiterinnen in Textilfabriken haben es besonders schwer. Aber Mädchen und Frauen sind auch in anderen Arbeitsbereichen in ihren Menschenrechten bedroht. Partner von Nichtregierungsorganisationen wie terre des hommes und unicef berichten von sexuellem Missbrauch, Schwängerung und anschließende Kündigung der Hausmädchen von ihren Arbeitgebern. Das erinnert uns an adelige Praxis in der Arbeiterschaft wie in Europa im 19. Jhdt.  Es gibt Berichte von Mädchen aus Spinnereien, die vor Erschöpfung bei der Arbeit zusammen brechen.

Auch in Nähereibetrieben gibt es sexuellen Missbrauch seitens der Wächter gegenüber den Näherinnen. Die Taten werden natürlich nie angezeigt, aufgedeckt oder geklärt. Die Täter erhalten keine Strafe, die Opfer keine Entschädigung. Teilweise wird ihnen einfach gekündigt. Denn eine neue Arbeiterin zu finden ist leicht, sie stehen gewissermaßen schon Schlange.

Näherinnen in Textilfabriken dürfen während der Arbeit ihren Arbeitsplatz nicht verlassen, d.h. sie dürfen auch nicht zur Toilette gehen. Das wird nicht nur zum Problem wenn sie ihre Periode haben. Die Frauen trinken während der Arbeit kein Wasser. Es ist gefährlich für den gesamten Körper, ihm zu wenig Flüssigkeit zukommen zu lassen. Es hat schwere Folgen für die Nieren, Herz, Kreislauf, Magen, Darm und das Gehirn. Oft können die Frauen ab 40 Jahren nicht mehr arbeiten, weil ihr Körper an der harten Arbeit zu großen Schaden genommen hat.

Für Frauen ist eine Textilfabrik der einzige Weg um Geld zu verdienen, denn in anderen Berufen dürfen sie in Bangladesch nicht tätig sein, aber nicht zu arbeiten können sie sich nicht leisten, also bleibt ihnen keine andere Wahl. Das nutzen die Arbeitgeber natürlich gerne aus und zahlen, wenn überhaupt nur Hungerlöhne. Die Internetseite bangladesch.org berichtet dass Frauen bei gleicher Qualifikation im Schnitt fast ein Drittel weniger Lohn bekommen als ihre männlichen Kollegen. (http://bangladesch.org/bangladesch/wirtschaft-und-armut/textilindustrie/textilarbeiterinnen-in-bangladesch.html)

97 Stunden in der Woche mussten Näherinnen teilweise in Fabriken arbeiten, bis eine Frau vor Erschöpfung starb. (Quelle: Kampagne für saubere Kleidung)

 

Transparenz in der Textillieferkette

Warum es für Arbeitgeber in Zulieferbetrieben so einfach ist den Arbeitern keinen gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen? Ganz einfach: es gibt keine Kontrollen.

In den meisten Ländern, auch in Bangladesch, Indien und China gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser sichert jedoch nicht das Existenzminimum und wird oft nicht einmal ansatzweise in der vorgegebenen Höhe gezahlt. Das funktioniert nur, weil Behörden nicht hinsehen oder durch Korruption selbst daran verdienen.

Die großen Handelsunternehmen wissen oft gar nicht, woher ihre Ware ursprünglich kommt, denn für ihre Zulieferer gibt es wieder Zulieferer und die haben wiederum ihre eigenen Zulieferer. Daher ist es sehr schwer nachzuvollziehen, wo Textilwaren ursprünglich herkommen und wer an der Produktion beteiligt war.

Doch das soll sich jetzt ändern. Auf sozialdemokratische Initiative im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ gegründet, welches für mehr Transparenz in der Textillieferkette sorgen soll.

Bis Ende 2017 sollen die Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien freiwillig offenlegen. Ein Jahr später, im Januar 2018, sollen alle Mitglieder ihre Prozesse in der Produktion für die Verbraucher offenlegen. So entsteht mehr Transparenz, und das ist nur der Anfang für die Mitglieder des Textilbündnisses.

 

Der Anspruch ist der faire Handel und faire Arbeit vom Feld bis zum Kleiderbügel!

 

Die Transparenz ist sehr wichtig für den Endverbraucher, um nachverfolgen zu können, wo das jeweilige Produkt herkommt, wie und wo es hergestellt wurde und ob ein fairer Handel stattgefunden hat. Transparenz ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil des fairen Handels sondern dient auch der Glaubwürdigkeit. Das gleiche gilt auch für uns in Deutschland für die Lebensmittelproduktion

Für viele Verbraucher spielt es beim Kauf eine entscheidende Rolle, ob sie nachvollziehen können wo, wie und unter welchen Bedingungen die Ware hergestellt wurde oder nicht. In der Bevölkerung wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, ebenso wie für Transparenz.

Transparenz alleine reicht natürlich nicht aus, um Menschenrechtsverletzungen zu beenden, aber sie ist ein erster großer Schritt in die richtige Richtung.

 

Was kann ich tun?

Leider lässt sich die Schuld nicht nur auf die Unternehmen schieben, denn auch Sie und ich sind mitverantwortlich. Wir sind diejenigen, die darüber entscheiden was wir kaufen wollen, und was nicht. Somit unterstützen wir, wenn auch unbewusst, die fragwürdige Textilbranche.

Einerseits haben billige Textilpreise in Deutschland dafür gesorgt, dass mehr Menschen sich immer neue Kleidung kaufen können, was z.B. auch dazu beigetragen hat dass sich die Schere zwischen Arm und Reich verkleinert. Früher hat man Menschen angesehen, wenn sie arm waren: Klamotten waren kaputt oder geflickt und nicht jeder konnte sich einfach neue Klamotten kaufen. Heute ist das anders. Man kann sich für wenig Geld neue Kleidung leisten. Dadurch fühlen sich vielen Menschen besser in die Gesellschaft integriert. Die Billigindustrie macht wiederum die Armut in Deutschland unsichtbar.

Andererseits: lässt sich dadurch das Leiden vieler Arbeitskräfte in Billiglohnländern rechtfertigen?

Aber die gute Nachricht ist, wir können etwas verändern. Wir können beispielweise gerbrauchte Klamotten kaufen. Es gibt wunderbare Möglichkeiten second-hand-Klamotten zu kaufen, ob auf Flohmärkten oder im Internet, es werden sogar Markenklamotten oft zu günstigen Preisen angeboten. So kauft man schnell, günstig und wenn man von einer Person mehrere Teile kauft gibt’s oft sogar Rabatte oder man spart die Versandkosten.

Ebenso funktioniert das Ganze auch anders herum: irgendjemand freut sich immer über unsere ausgemusterten Klamotten, die wir nicht mehr haben wollen, und wir verdienen gleichzeitig auch noch ein bisschen Geld. Beispielsweise über die Seite momox.de kann man unter Anderem seine Klamotten verkaufen. Auch über ebay, Shpock, Kleiderkreisel, ubup oder Mädchenflohmarkt kann man günstige, gebrauchte aber teilweise auch noch neue Kleidungsartikel erwerben, verkaufen oder teilweise tauschen.

Wo aber kann ich mich über Missstände bei Labels, also z.B. H&M, Primark, etc., schlau machen?
Man kann sich z.B. über die Seite https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/firmen/branchen/textil/ informieren, welches Textilunternehmen sich gegen Kinderarbeit engagiert oder auch welchem Unternehmen bereits Kinderarbeit vorgeworfen wurde oder wird.

Für alle die die sagen: “ach, wenn ich nur noch darauf achte, welche Klamotten unter fairen Bedingungen hergestellt wurde, dann kann ich mir ja gar nichts mehr kaufen!“ Falsch. Denn es ist möglich, sein Kaufverhalten zu überprüfen: Nach meiner ausgiebigen Recherche habe auch ich mich entschlossen nachhaltiger und bewusster zu kaufen. Das heißt auf keinen Fall das ich ab jetzt viel mehr Geld ausgebe für Klamotten oder nur noch langweilige Sachen kaufe, einfach aus dem Grund dass sie nachhaltig, fair und sozial hergestellt wurden. Nein. Es heißt einfach, dass ich mich genauso kleide wie bisher, aber bei meinem Einkauf darauf achte, wo ich was kaufe.

In anderen Bereichen wie z.B. in der Lebensmittelbranche ist es längst üblich, nachthaltige Produkte zu kaufen. Immer mehr Restaurants werben mit regionalem Fleisch, saisonalem Gemüse oder Bio-Kaffee. Billigprodukte werden zwar nach wie vor gekauft, aber selbst die Discounter haben einige Bio-Produkte. Daraus erschließt sich mir, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit durchaus vorhanden ist. Die Frage ist nur, warum sich das Kaufverhalten in den Branchen Textil und Nahrungsmittel so sehr unterscheidet: Bei Lebensmitteln haben wir festgestellt, dass man nicht viel mehr bezahlen muss um ein gutes Produkt zu erhalten. In der Textilbranche kann das genauso sein. Wir müssen nur etwas wachsamer sein.

 

 

Checkliste: guter Einkauf Das Kleidungsstück
  • hat ein Fair Trade Siegel o.ä.
  • ist von guter Qualität und somit langlebig.
  • weist nicht bereits beim Kauf Mängel auf.
  • wurde ohne Giftstoffe hergestellt (also z.B. Bio-Baumwolle).
  • ist von einem Unternehmen das im Textilbündnis Mitglied ist.
  • ist von einem Unternehmen das NICHT dafür bekannt ist, Ware unter schlechten Arbeitsbedingungen herzustellen.
  • ist von einem Unternehmen das NICHT dafür bekannt ist, Kinder arbeiten zu lassen.
Ihr Kleidungsstück erfüllt all diese Kriterien? Herzlichen Glückwunsch denn es hat den Background-Check erfolgreich bestanden!

 

Was macht die Politik?

„Und die Politiker tun mal wieder gar nichts, ne?!“

Falsch, sie tun eben doch was: Wir sind stolz, dass die SPD  schon immer auf die Seite der arbeitenden Bevölkerung stand und sich diesem Thema auch beherzt angenommen hat. Die Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) und der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) entwickelten bereits vor zwei Jahren das Bündnis für nachhaltige Textilien. Die Mitglieder des Textilbündnisses machen sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen in der gesamten Textillieferkette stark.

Nach rund zwei Jahren hat das Bündnis knapp 190 Mitglieder (Stand: November 2016) und deckt gute 65% des Textilmarktes ab. Die Mitglieder des Bündnisses sind Kirchen, Ministerien und Nichtregierungsorganisationen wie Femnet e.V., aber auch bekannte Textilunternehmen wie Primark, H&M, adidas, KiK, Hugo Boss.

Die Mitglieder verpflichten sich mit der Beitrittserklärung verbindlich „aktiv und umsetzungsorientiert die im Aktionsplan des Bündnisses für nachhaltige Textilien dargestellten Ziele zu verfolgen.“

Die Ziele sollen Schritt für Schritt eingeführt werden. Da die Unternehmen verschiedene Ausgangspositionen haben, werden die Teilnehmer stets im individuellen Tempo arbeiten, sodass am Ende alle Textilien unter fairen Bedingungen hergestellt werden.

Jährlich sollen die teilnehmenden Textilhersteller und Handelsunternehmen dokumentieren, unter welchen Bedingungen die Ware im Ausland produziert wird. Zwar ist Transparenz ein wichtiger Bestandteil des Bündnisses, da aber die Mitglieder nicht „an den Pranger“ gestellt werden sollen, werden diese Informationen nicht veröffentlicht und auch nicht an andere Bündnismitglieder gegeben. So soll jedes Mitglied seine eigenen Fortschritte individuell, aber überprüfbar erreichen.

Die Umsetzungsziele, sogenannte Roadmaps, dürfen sich die Mitglieder zwar selbst stecken, jedoch sollen diese nicht aus der Luft gegriffen sein. Maßstab für die Arbeitsbedingungen sind die Kernarbeitsnormen der UN-Arbeitsorganisation ILO.

 

Eine Auswahl der vier Grundprinzipien der ILO:

(Die vollständige Liste der Kernarbeitsnormen ist hier nachzulesen: http://www.ilo.org/berlin/arbeits-und-standards/kernarbeitsnormen/lang–en/index.htm )

  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Beseitigung der Zwangsarbeit
  • Abschaffung der Kinderarbeit
  • Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf

 

Um sicher zu gehen dass die Vorsätze der Textilhersteller und Handelsunternehmen auch entsprechend durchgeführt und eigehalten werden, müssen sie geprüft werden. Diese Aufgabe soll einem unabhängigen Dritten zukommen. Wer es wird, ist noch umstritten.

Sollten die Teilnehmer ihre Ziele nicht erreichen, soll es Sanktionen geben. Wie diese aussehen sollen wird derzeit noch verhandelt. Sanktionsmöglichkeiten bei Mitgliedern, die ihren Zielen nicht nachkommen sind, z.B. der Ausschluss aus dem Bündnis sowie die Möglichkeit die Waren der jeweiligen Firma mit Strafzöllen zu belegen.

Neben dem Textilbündnis gibt es noch weitere Impulse in der Politik, um schlechte Arbeitsbedingungen zu beenden. Die SPD Bundestagsfraktion hat unter dem Titel „Gute Arbeit weltweit“ einen Antrag an die Bundesregierung gestellt, der im Wesentlichen zwei Forderungen umfasst: menschenwürdige Arbeit und nachhaltige Produktionsverfahren.

Der Antrag enthält die vier folgenden Punkte:

  • Die Vereinten Nationen sollen eine Bestandsaufnahme über die unfreien Arbeitsverhältnisse weltweit verfassen
  • Die Bundesregierung muss sich strikt gegen alle Formen der Sklaverei einsetzen
  • Die Bundesregierung soll mit dem Ziel vor Augen arbeiten, unfreie Arbeit auch bei sportlichen Großveranstaltungen (wie Olympia etc.) nicht durchgehen zu lassen und bei der Vergabe der Austragungsrechte darauf zu achten das die Regierung des jeweiligen Landes ebenfalls keine unfreie Arbeit zulässt
  • Die Bundesregierung soll Entwicklungs- und Schwellenländern dabei helfen, ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards einzuführen, einzuhalten und zu schützen

 

Menschenrechte

(vollständige Erklärung nachzulesen unter: www.menschenrechtserklaerung.de/)

  • #1 Wir sind alle von Geburt an frei und gleich
  • #2 Keine Diskriminierung
  • #4 Keine Sklaverei
  • #6 Sie haben Rechte, egal wo sie sind
  • #12 Das Recht auf ein Privatleben
  • #19 Die Freiheit, sich frei zu äußern
  • #20 Versammlungsfreiheit
  • #22 Soziale Sicherheit
  • #23 Das Recht auf faire Arbeitsbedingungen
  • #24 Das Recht auf Freizeit
  • #26 Das Recht auf Bildung
  • #29 Verantwortung

 

Die SPD setzt sich dafür ein, dass alle Menschen eine gute Arbeit haben und Zwangs- sowie Kinderarbeit ein Ende finden. Das ist schon mal eine gute Basis. Jetzt liegt es allerdings in der Verantwortung jedes einzelnen Bürgers sich ebenfalls dafür zu engagieren, dass alle Menschen weltweit, ob in Deutschland, in Bangladesch oder Usbekistan, einer ihnen würdigen Arbeit nachgehen können.

Die Politik macht auf die Missstände aufmerksam, und zwar nachhaltiger als die Medien, die über solche Themen nur berichten, wenn es einen Skandal gibt und das Thema dann ad acta legen. Wir arbeiten daran, dass sich Skandalmedienberichte wie in Rana Plaza nicht wiederholen.

 

Quellenangaben:

Fränkische Nachrichten, 24.11.2015

Frankfurter Rundschau, 13.03.2015

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2016

www.dol.gov/agencies/ilab/resources/reports/child-labor/asia-pacific, zul. aufgerufen am 23.11.2016

www.fashionunited.de/News/Leads/Textilindustrie%3A_Kinderarbeit_noch_verbreitet_2013100814929/, zul. aufgerufen am 23.11.2016

https://www.textilbuendnis.com/de/startseite/mitgliedsantrag, zul. aufgerufen am 29.11.2016

https://www.tdh.de/was-wir-tun/arbeitsfelder/kinderarbeit/forderungen-und-ziele/warum-muessen-kinder-arbeiten/, zul. aufgerufen am 09.12.2016

http://www.helgo-ev.de/deutsch/kinderarbeit/?gclid=COWvl4Ch59ACFQmeGwodC3ANkw, zul. aufgerufen am 09.12.2016

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/2015/kinderarbeit/78828, zul. aufgerufen am 09.12.2016

http://www.sklaverei-in-mode.de/wp-content/uploads/2014/09/Studie-Zwangsarbeit-bei_Kindern-2014.pdf, zul. aufgerufen am 12.12.2016

http://bangladesch.org/bangladesch/wirtschaft-und-armut/textilindustrie/textilarbeiterinnen-in-bangladesch.html, zul. aufgerufen am 12.12.2016

http://www.breitenbachmedia.net/mediamonitor/ShowPressPDF2.do?press_id=14846004, zul. aufgerufen am 16.12.2016

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw15-de-textilproduktion/417620, zul. aufgerufen am 20.12.2016

Berliner Zeitung, 28.November 2016

https://www.faire-woche.de/fileadmin/user_upload/media/service/materialien/materialien_zum_download_pdfs/FW_15_Hintergrundinfo_final.pdf, zul. aufgerufen am 02.01.2017

https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/zukunftspapier-gute-arbeit-weltweit.pdf?__blob=publicationFile, zul. aufgerufen am 06.01.2017

https://billiget-shirtswerzahltdenpreis.jimdo.com/unser-projekt/, zul. aufgerufen am 08.02.2017

http://bangladesch.org/bangladesch/wirtschaft-und-armut/textilindustrie/aktuelle-situation-in-der-textilindustrie.html, zul. Aufgerufen am 08.02.2017

http://www.jugendkonferenz.ravensburg.de/downloads/menschenrechte-d.pdf, zul. aufgerufen am 16.02.2017

http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger, zul. aufgerufen am 16.02.2017

http://www.fuer-kinderrechte.de/wissen/die-un-kinderrechtskonvention-von-vorne-bis-hinten, zul. aufgerufen am 16.02.2017