Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung


Der „Internationale Tag gegen die weibliche Genitalverstümmelung“ erinnert uns jedes Jahr am 6. Februar an das Leid von weltweit über 150 Millionen weiblichen Opfern einer brutalen und sinnlosen Tradition.

Weibliche Genitalverstümmelung, international mit dem Begriff „Female Genital Mutilation“ (FGM) bezeichnet, ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie wird vorwiegend in 29 Ländern Afrikas und in einigen arabischen und asiatischen Staaten praktiziert. Traurige Spitzenreiter bilden dabei die nord- und westafrikanischen Staaten Ägypten, Mali, Somalia, Äthiopien und Sierra Leone, in denen teilweise mehr als 90 Prozent aller Mädchen und Frauen beschnitten sind.

Aktuellen Angaben zufolge sind weltweit mehr als 150 Millionen Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Jahr für Jahr werden erneut etwa drei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktik –  das sind 8.000 Mädchen und Frauen täglich. Tatsächlich dürften es jedoch eher doppelt so viele sein, denn bisher gibt es nur für den Subsahararaum, Ägypten und Irak umfassende Studien. Dabei weiß man heute, dass auch im Nahen Osten und in Südostasien Mädchen und Frauen verstümmelt werden.

„Die sinnlose Verstümmelung von Mädchen und Frauen ist eine grausamen Tradition und eine eklatante Menschen- und Kinderrechtsverletzung“, so die oberbergische Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier. „Darum gilt: Null Toleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung!“

Dabei findet die grausame Praxis nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch direkt vor unserer Haustür statt. Über 500.000 Mädchen und Frauen, die in den Ländern der Europäischen Union leben – davon mehr als 50.000 in Deutschland -, sind bereits Opfer einer Genitalverstümmelung geworden. Rund 180.000 Frauen sind nach Schätzungen des Europäischen Parlaments in der EU von dieser schweren Menschenrechtsverletzung bedroht. In Deutschland wird von etwa 6.000 gefährdeten Mädchen und jungen Frauen ausgegangen.

Die meisten Mädchen sind zwischen 6 und 15 Jahre alt, wenn sie der „Operation“ unterzogen werden. Die medizinischen Rahmenbedingungen, unter welchen die Genitalbeschneidung in den meisten Fällen durchgeführt wird, sind katastrophal. Die Eingriffe finden oftmals in einfachen Hütten ohne jegliche hygienische oder medizinische Bedingungen statt. Die „Operateure“ sind traditionelle Heilerinnen, Hebammen und gar Barbiere. Der mit Gewalt erzwungene Eingriff, der bis zu einer halben Stunde dauert, wird ohne Narkose durchgeführt. Die gesundheitlichen und seelischen Folgen mit teilweise lebenslangen Traumata sind schwerwiegend. Blutverlust, Kollaps, Infektionen, Komplikationen bei späteren Geburten, Schockzuständen und enorme Schmerzen sind nur ein Teil der Wunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis zu 25 Prozent der Betroffenen an den unmittelbaren und langfristigen Folgen sterben.

Die grausame Praxis ist jedoch weit mehr als ein gesundheitliches Problem; sie ist als Tradition oftmals tief in den betroffenen Gesellschaften verankert und Ausdruck einer generellen Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen.

Afrikanische Aktivistinnen und Aktivisten, Nichtregierungsorganisationen sowie internationale Organisationen kämpfen seit Jahren für die Beendigung der Genitalverstümmelung. Auch die SPD-Fraktion setzt sich kompromisslos dafür ein und unterstützt gemeinsam mit der Bundesregierung Initiativen zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung auf nationaler und internationaler Ebene.

„Auch wenn die Verstümmelung weiblicher Genitalien in Deutschland seit 2013 mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann, ist das eigentliche Ziel noch lange nicht erreicht“, so Engelmeier. „Erste Erfolge dieser Bemühungen sind jedoch zu erkennen und zeigen, dass sich der Einsatz lohnt: Zahlreiche afrikanische Staaten haben die weibliche Genitalverstümmelung inzwischen gesetzlich verboten, die Zahl der Fälle nimmt leicht ab und die Zahl der Menschen, die sich gegen die Praxis wenden, nimmt zu. Der heutige Tag ermahnt uns, weiter intensiv und mit Nachdruck für die Abschaffung dieser grausamen Tradition zu kämpfen.“