Auf matschigem Boden durch den Tiergarten

Auf matschigem Boden, bei Dauerregen und kühlen Temperaturen wirkten die knapp 500 Teilnehmer beim 15. Bundestagslauf am Mittwoch, 25. Juni 2014, alles andere als niedergeschlagen. Obwohl 100 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit prognostiziert waren, hatten nur Wenige ihre Teilnahme storniert. Damit bestätigten die Sportler die Einschätzung von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, das sei „eine schöne Gelegenheit, gerade bei einem Bundestagslauf zu demonstrieren: Wir sind keine Schönwetterdemokratie, sondern wir sind für alle Herausforderungen gewappnet!“

 

Abgeordnete wegen namentlicher Abstimmungen verhindert

„Mindestens stellt das Wetter ja sicher, dass niemand mit Hitzschlägen als zusätzlicher Behinderung rechnen muss“, fügte Lammert im Scherz hinzu. Um 12.47 Uhr eröffnete er südwestlich des Reichstagsgebäudes den Bundestagslauf durch den Berliner Tiergarten. Das Plenargeschehen im wenige Meter entfernten Reichstag hinderte ihn und andere Abgeordnete daran, sich selbst am Lauf zu beteiligen. Namentliche Abstimmungen zum Bundeshaushalt und zu Mandatsverlängerungen der Bundeswehr standen zeitgleich auf der Tagesordnung.

„Mein ausdrückliches Bedauern darüber, dass ich diesmal nicht mitlaufen kann, verbinde ich mit allen guten Wünschen an diejenigen, die deswegen noch bessere Siegeschancen haben, als das der Fall wäre, wenn ich wieder mitlaufen würde“, kokettierte Lammert.

 

Respektbezeugung eines Turners

Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Michaela Engelmeier, war ebenso zum Startschuss gekommen wie Eberhard Gienger (CDU/CSU), als Vorsitzender der Sportgemeinschaft im Deutschen Bundestag, jener Organisation, die diesen Bundestagslauf organisiert.

Gienger zollte den Läufern Respekt indem er bemerkte, er komme ja als Turner von einer Sportart, die konditionell nicht so herausfordernd sei und bei der die längste Belastung 70 Sekunden dauere. Für ihn sei deshalb „alles, was über den Anlauf zum Weitsprung hinausgeht, eine Langstrecke“.

Zwei Laufstrecken und Nordic Walker 7.200 und 3.600 Meter hatten die Läufer sowie eine kleine Gruppe Nordic Walker zu überwinden. Wegen der Fanmeile anlässlich der Fußballweltmeisterschaft wich der Streckenverlauf vom gewohnten Muster ab und startete nicht unmittelbar am Brandenburger Tor.

Das feuchte Wetter biete doch ideale Trainingsbedingungen für die Vorbereitung auf den London-Marathon, feuerte ein gut gelaunter Moderator die Läufer an. Beim Hüpfen von Pfütze zu Pfütze mögen sie doch bitte auf die Markierungen auf dem Boden achten. Schon eine knappe Viertelstunde nach Startschuss „tropften“ denn auch die ersten Läufer der Kurzstrecke wieder ins Ziel.

 

Never touch a running system“

„Never touch a running system.“ Diese Aufschrift zierte einige T-Shirts, die eigens für den Lauf gedruckt worden waren. Die Aufschrift entpuppte sich als Wortwitz von IT-Mitarbeitern der Bundestagsverwaltung. Sie hatten ihre Leidenschaft für das Laufen kurzerhand mit einem „Mantra“ ihrer Berufsgruppe verknüpft.

Das Lauffeld setzte sich aus Mitarbeitern von Abgeordneten, von Fraktionen, aus Ministerien und aus Botschaften zusammen. Und als hätte es noch eines Beweises für die Prognose des Bundestagspräsidenten bedurft, das Wetter werde dem Erfolg der Veranstaltung „nur unwesentlich im Wege stehen“, liefen die klatschnassen, aber bestens gelaunten Läuferinnen und Läufer der französischen Botschaft nebeneinander Hand in Hand über die Ziellinie.