Abschlussbericht Dienstreise nach Kenia 27.5.– 1.6.2014

Michaela Engelmeier, MdB und Karamba Diaby, MdB

 

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der DAAD-Außenstelle in der kenianischen Hauptstadt Nairobi führten wir, Michael Engelmeier und Dr. Karamba Diaby, auf Einladung der Präsidentin des DAAD, Frau Prof. Wintermantel, als Vertreter des Deutschen Bundestages eine Dienstreise nach Kenia durch. Die Dienstreise fand vom 27. Mai bis zum 1. Juni 2014 statt. Bestandteil der Reise war zudem die Teilnahme an einer dreitägigen Tagung zum Thema „How to equip a leader?“

Bei dieser Tagung wurden von den 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus zehn Staaten Ostafrikas unter anderem Fragen nach den Förderstrategien von Führungspersönlichkeiten erörtert. Auf der hochkarätig besetzten Veranstaltung wurde auch der bisherige Leiter der DAAD-Außenstelle, Herr Hansert, verabschiedet und der neue Außenstellenleiter, Herr Blumbach, eingeführt.

Die größte Herausforderung der Hochschulen in Ostafrika ist die Qualität von Forschung und Lehre. Deshalb ist es das Anliegen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mit seinen Stipendien und Hochschulkooperationen vor allem die Hochschullandschaft der Region zu entwickeln und zu stärken.

Der Trend, dass immer mehr junge Menschen in Ostafrika studieren wollen, ist erfreulich. Alleine in Kenia, wo der DAAD seine Außenstelle für die Region unterhält, sind mittlerweile über 300.000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben. Damit wächst auch die Zahl der Hochschulen und Colleges des Landes. Im Jahr 2009 gab es 18 akkreditierte Hochschulen, heute sind es bereits 68. Die DAAD-Außenstelle beurteilt diese Entwicklung als äußerst begrüßenswert und positiv. Allerdings sind die Voraussetzungen für hochwertige Lehre und Forschung in Ostafrika nicht immer ideal.

Deswegen ist die Qualitätssicherung der Hochschulen der Region von besonderer Bedeutung. Der DAAD-Außenstelle kommt hierbei eine wichtige Schlüsselfunktion zu. Die Außenstelle hat sich von einem Büro für Stipendien zu einem Netzwerkknoten entwickelt, der wissenschaftliche Kooperationen zwischen dem östlichen Afrika und Deutschland auf vielfältigen Ebenen fördert. Angefangen von der Individualförderung über Hochschulpartnerschaften bis zur Weiterentwicklung der Hochschulsysteme reichen die zukünftigen Aufgabenfelder. Von Kenia aus werden auch die Programme und Stipendiaten in den Nachbarländern betreut. Die Qualitätssicherung der ostafrikanischen Hochschulen steht seit 2006 mit dem Programm „Dialogue on Innovative Higher Education Strategies“ (DIES) im Fokus des DAAD.

Mit Hilfe der Außenstelle wurden bereits mehr als 80 „Qualitätssicherungsbeauftragte“ sowie rund 50 externe Gutachter an 65 Universitäten ausgebildet. Ziel ist es, die Qualität und Relevanz von Studiengängen zu verbessern. Neben dem Aufbau der Hochschulen unterstützt der DAAD die Entwicklung demokratischer Eliten in Ostafrika. Ganz konkret fördert der DAAD Menschen, die den Abbau von sozialer Ungleichheit in ihren Ländern vorantreiben können. Im Zeitraum seit 1973 konnten mehr als 2.400 Studentinnen Studenten aus Kenia vom DAAD in unterschiedlichen Programmen gefördert werden. Diese Alumni prägen die Region entscheidend und nehmen Schlüsselpositionen ein. Während sie in den meisten Universitäten Kenias Führungspositionen übernommen haben, füllen in Tansania ehemalige DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten hochrangige Regierungsstellen.

Von großer Bedeutung für die Arbeit des DAAD in Afrika ist zudem das Sur-Place-Programm. Es ermöglicht jährlich über 800 afrikanischen Studierenden ein Studium in Afrika vor Ort. Das Programm unterstützt damit erheblich die Ausbildung der jungen Menschen vor Ort. Ziel des Programms ist die Ausbildung von zukünftigen Hochschullehrern. Dazu fördert der DAAD Master- und Promotionsvorhaben in den Heimatländern der Stipendiaten oder an fachlich besonders ausgewiesenen Zentren in afrikanischen Drittstaaten. Ein regionaler Schwerpunkt liegt im östlichen und südlichen Afrika, z.B. am renommierten International Livestock Research Institute in Nairobi.

Die dreitägige Tagung war ein intensiver Austausch mit den DAAD-Alumni, Vertretern der Politik und der Hochschulen in Ostafrika. Beeindruckend war vor allem zu erfahren, dass zahlreiche DAAD-Alumni sowohl in den Hochschulleitungen der Region als auch in den Regierungen Ostafrikas sehr stark vertreten sind – zum Beispiel Prof. Dr. Dominic Makawiti als Vice Chancellor der kenianischen Maseno-Universität und Prof. Hamadi Boga als Gründungsrektor des Taita Taveta University College in Kenia. Sie prägen die hochschulpolitischen Diskussionen in der Region. Am zweiten Tag der Tagung wurde das Thema „Zugang zu höherer Bildung“ erörtert.

Als Berichterstatterin für den Zugang zur Bildung u.a. in Afrika, habe ich die Ehre gehabt eine Rede zu Bildungsarmut und Förderung der Bildung in der Entwicklungs-zusammenarbeit aus deutscher Perspektive zu halten. Den Wortlaut meiner Rede habe ich dem Bericht beigefügt.

Am letzten Tag der Tagung erhielten wir die Möglichkeit zu den Themen Geschichte des BaFöG bzw. der deutschen Förderinstitutionen (z. B. Stiftungen) sowie die Bedeutung von Bildungsarbeit in der Entwicklungspolitik zu referieren.

Zusätzlich hatten wir die Möglichkeiten mehrere Gespräche zu führen. So trafen wir Mitglieder des Bildungsausschusses der Nationalversammlung des Senats. Dabei stand der Austausch über Fördermöglichkeiten von Stipendien durch kenianische Behörden im Vergleich zu deutschen Förderinstitutionen im Vordergrund.

Bei der Exkursion nach Mugumoini, Gatanga, Kiambi County zur Besichtigung der Bildungsprojekte von UWEZO konnten wir vor Ort die Überprüfung der Lern-, Lese- und Rechenkompetenz von Kindern im Alter von sechs bis sechzehn Jahren mitverfolgen. Die Ergebnisse der Tests werden den Vertretern der einzelnen ostafrikanischen Länder überreicht, um gezielte Maßnahmen im Bereich Bildung ergreifen zu können. Dieses Projekt, das vom DAAD unterstützt wird, zeichnet sich durch das bürgerschaftliche Engagement von DAAD-Alumni aus der Region Ostafrika aus.

Im Deutschen Haus in Nairobi fand ein Treffen mit Vertretern der GIZ, KfW und der Deutschen Botschaft in Kenia statt. Dabei wurde uns über die deutsch-kenianische Zusammenarbeit berichtet. Deutschland ist das zweitgrößte bilaterale Geberland im subsaharischen Afrika (Zusagen für 2014-2016: 138 Mio. €). Insbesondere der Privatsektor und die Zivilgesellschaft sollen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden. Die Bereiche Landwirtschaft, Wasser/Sanitärversorgung und Gesundheit sollen die Schwerpunkte in den kommenden Jahren bilden.

Zudem wurde uns die politische und gesellschaftliche Situation in Kenia (hohe Armutsquote, starkes Bevölkerungswachstum, Jugendarbeitslosigkeit, Häufung Dürreperiode) erläutert. Drei besondere Projekte, die zukünftig gefördert werden sollen, beziehen sich auf den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, die Förderung von Wertschöpfungsketten und der Ausbau von 28 Schulen in städtischen Slums.

Im Gespräch mit Herrn Aldo Biondi, Generaldirektor ECHO (European Community Humanitarian Office der Europäischen Kommission) wurde uns insbesondere die Flüchtlingsproblematik nähergebracht. Hinsichtlich dieses Problems hat es ein Abkommen zwischen Somalia, Kenia und UNHCR gegeben. Herr Biondi betonte, dass dieses Abkommen von Seiten des Staates Kenia nicht eingehalten wird. Kenia verhindert eine Durchsetzung des Abkommens und schiebt Flüchtlinge, die schon seit mehreren Jahren in Kenia leben, wieder nach Somalia ab. Folgende Lösungen wurden vorgeschlagen: Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und Unterstützung von lokalen Regierungen. Beim Besuch der Deutschen Schule in Nairobi und im Gespräch mit dem Schulleiter Ulrich Bodenberg wurde uns der Aufbau der Schule erklärt. Die Schule unterrichtet zweisprachig (Deutsch und Englisch). Als eine der größten Herausforderungen sah der Schulleiter die Umsetzung der Inklusion an. Vor allem aus sozialer und materieller Sicht ist die Umsetzung für die Schule eine große Herausforderung.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes erfolgte eine Tagesfahrt mit der DAAD-Delegation nach Naivasha-See. Bei dieser Exkursion gab es die Möglichkeit, sich mit den DAAD-Mitarbeitern intensiv auszutauschen. Darüber hinaus wurden wir für weitere Themen, die in Kenia auf der Tagesordnung stehen, sensibilisiert (Dürre, Umweltverschmutzung).

 

Berlin, 13.6.2014

Michaela Engelmeier, MdB

 

 

 

 

 

 

Abschlussbericht Dienstreise nach Kenia 27.5.– 1.6.2014

Michaela Engelmeier, MdB und Karamba Diaby, MdB

Rede von Michaela Engelmeier anlässlich des 40. Jubiläums des DAAD Afrikabüros in Nairobi, Kenia am 29. Mai 2014

 

 „How to open the door for the poor and bright? The German Perspective“

(auf Englisch gehalten)

 

Sehr geehrte Frau Professor Wintermantel,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

zunächst einmal bedanke ich mich ganz herzlich beim DAAD für die Einladung zum 40. Jubiläum seines Afrikabüros in Nairobi.

Und ich danke Ihnen für die Gelegenheit, zum Thema Bildung in Afrika aus Sicht der deutschen Entwicklungspolitik zu reden.

Bildung für alle/Education for all (EFA) das ist das weltweite Aktionsprogramm der UNESCO für Bildung.

Es ist nicht ein weiteres Papier zum Thema Bildung. In ihm sind ganz konkrete Herausforderungen festgehalten, vor denen sich die Weltgemeinschaft befindet.

Mehr noch. Insgesamt 164 Länder verpflichteten sich auf dem Weltbildungsforum im April 2000 in Dakar, die sechs dort formulierten Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen.

Und im selben Jahr – rund vier Monate später – einigten sich 189 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen in New York auf acht Ziele: die Millenniumsentwicklungsziele. Kurz MDGs. Mit konkreten Ziel- und Zeitvorgaben sollte bis zum Jahr 2015 die Armut in der Welt halbiert werden.

Warum erwähne ich die MDGs in diesem Zusammenhang?

Ich erwähne sie, weil zwei dieser MDGs zwei EFA-Zielen entsprechen: Grundbildung für alle Kinder und Abbau der Geschlechterdisparitäten.

Dies verdeutlicht in besonderem Maße die große Bedeutung von Bildung bei der weltweiten Armutsbekämpfung. Denn ganz klar ist, und das ist uns allen hier sehr bewusst: Bildung ist ein elementares Menschenrecht! Ohne sie ist menschliche Entwicklung nicht möglich.

Sie ist ein strategischer Schlüssel für Entwicklung! Und umgekehrt: Bildungsarmut bremst die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in vielen Entwicklungsländern.

Daher gehört die Förderung von Bildung in diesen Ländern zu den wichtigsten Aufgaben der internationalen Entwicklungspolitik. Und richtiger Weise ist sie ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat – federführend für die deutsche Bundesregierung – in seinem Strategiepapier „Zehn Ziele für mehr Bildung“ formuliert.

Sie sind ehrgeizig. Aber sie unterstreichen zugleich den festen Willen der deutschen Bundesregierung, Chancen zu schaffen für die Entfaltung der Entwicklungspotenziale jedes Einzelnen und für eine demokratische und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaften in unseren Partnerländern.

Damit formuliert Deutschland ganz klar, wie wir dazu beitragen wollen, die Tür für diejenigen zu öffnen, die zum Beispiel aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten oder ihres Geschlechts, oder auch aufgrund anderer Barrieren keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Bildung genießen.

Die entwicklungspolitischen Aktivitäten des Bundesentwicklungsministeriums stehen im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • die formale Grundschulbildung
  • die Berufliche Bildung
  • sowie die Hochschulbildung

Nach aktuellen Informationen des Bundesentwicklungsministeriums besuchen in Subsahara Afrika rund 36 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule. Das trifft auch auf rund 40 Millionen Mädchen zu. Weltweit.

Das heißt: Kinder in Subsahara Afrika und Mädchen insgesamt haben ungleich schlechtere Chancen auf eine Grundschulbildung. Ihnen bleibt damit die Grundvoraussetzung zu einem selbstbestimmten Leben verwehrt.

Hinzu kommt, dass in der Hälfte der Länder Subsahara Afrikas jedes dritte Kind die Grundschule vor dem Abschluss abbricht.

Wenn wir aber davon sprechen, dass Grundbildung die Aufgabe hat, zum Lernen anzuleiten, zum Weiter­lernen zu befähigen und problemlösendes Denken zu fördern, wenn wir davon reden, dass – neben Lesen, Schreiben und Rechnen – Menschen auch Alltags­fähig­keiten („life skills“) erlernen müssen, und wenn wir wissen, dass eine gute Grundbildung das Selbstbewusstsein erhöht, die Eigenständigkeit fördert und die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und Partizipation ist, dann muss das zweite Millenniumsentwicklungsziel, sicherzustellen, dass Kinder in der ganzen Welt, Mädchen wie Jungen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen, mit aller Kraft über das Jahr 2015 verfolgt werden.

Denn nach jetzigem Kenntnisstand wird dieses Ziel nicht erreicht.

Bildung in Entwicklungsländern ist jedoch nicht nur durch einen unzureichenden Zugang gekennzeichnet.

Während Armut als Hauptfaktor hierfür unstrittig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass marginalisierte Gruppen nach wie vor von vorhandenen Bildungsangeboten ausgeschlossen werden. Frauen und Mädchen, Menschen mit Behinderungen, ethnische und religiöse Gruppen, aber auch ländliche Bevölkerungsgruppen genießen keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung. Ein Umstand, der nicht akzeptabel ist.

Vor allem im ländlichen Raum, aber auch in städtischen Armutsgebieten ist das Netz der Grundschulen nicht flächendeckend. In Subsahara Afrika beispielsweise fehlen laut Schätzungen des BMZ 1,7 Millionen Klassenzimmer.

Hinzu kommt, dass Kinder in ländlichen Regionen oft extrem weite Schulwege zurücklegen müssen. Gerade dieser Umstand hat zur Folge, dass Mädchen weiter entfernte Schulen nicht besuchen dürfen, da ihre Eltern sich um ihre Sicherheit sorgen. Ein anderes, ebenfalls nicht zu vernachlässigendes Problem ist die Qualität von Bildung in Entwicklungsländern. Die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer in Entwicklungsländern sind häufig unzumutbar: Viele von ihnen müssen in mehreren Schichten am Tag unterrichten, und das in Klassen mit hohen Schülerzahlen und bei geringer Bezahlung. Viele Lehrkräfte werden zudem schlecht ausgebildet und nicht genügend auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Das alles trifft auch auf den Sekundarbereich zu. Dieser ist zudem durch geringere Schülerzahlen gekennzeichnet, unter anderem bedingt durch den bereits erwähnten Abbruch der Grundschulbildung vor einem Abschluss.

Sowohl die Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten als auch die Qualität der Sekundarbildung in Entwicklungsländern bleiben – wie die der Primarschulbildung – daher nach wie vor eine große Herausforderung für uns alle.

Und wir werden uns dieser Herausforderung mit aller Kraft stellen, weil Bildung der Schlüssel für Entwicklung ist. Für die individuelle, aber auch für gesellschaftliche Entwicklung.

Nach wie vor fühlt sich die internationale Gemeinschaft der Aufgabe verpflichtet, die Bildungssituation weltweit zu verbessern. Die Bundesregierung orientiert sich an diesen Zielen. Sie hat die Förderung von Bildung zum Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik erklärt. Und sie hat sich zum Ziel gesetzt, Bildung ganzheitlich zu fördern.

Das heißt: Wir wollen Wissen für Entwicklung. Das heißt dann aber auch: Wir wollen alle Bildungsbereiche in ihrer Gesamtheit stärken. Angefangen bei der frühkindlichen, Primarschul- und Sekundarschulbildung, über die berufliche bis zur Hochschul- und Erwachsenenbildung.

Dabei geht es zum einen darum, unsere Partnerländer darin zu unterstützen, inklusive Bildungssysteme zu schaffen. Niemand darf von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen werden. Vielmehr sollen Inhalte und Strukturen so verändert werden, damit sprachliche, religiöse, ethnische, geschlechts- und behinderungsbedingte Unterschiede keine Bildungsbarrieren mehr sind. Und es geht darum, die Qualität von Bildung zu erhöhen. Und zwar in allen Bildungsbereichen.

Als entscheidende Faktoren für eine hohe Bildungsqualität benennt das Bundesentwicklungsministerium „die Verfügbarkeit, die Ausbildung, die Arbeitsbedingungen und die Motivation des Lehrpersonals“. Darüber hinaus sind Qualität von Bildungsmanagement und Bildungsplanung sowie adäquate Bildungsinhalte und Bildungsmethoden von zentraler Bedeutung als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Menschen in unseren Partnerländern.

Hier leistet der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD einen wichtigen Beitrag, wenn es darum geht, die Ausbildung des Lehrpersonals in unseren Partnerländern zu verbessern. Er trägt wesentlich dazu bei, die Qualität der Bildungssysteme über die Lehrerbildung und die Bildungsforschung zu stärken. Dass die Ausbildung von Lehrpersonal nach Plänen des BMZ besonders gefördert werden soll, unterstreicht deren Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung in unseren Partnerländern.

Auch bezüglich der Qualität von Hochschulbildung in unseren Partnerländern nimmt der DAAD eine zentrale Rolle ein. Er trägt mit seinen zahlreichen Programmen wesentlich zur Qualifizierung der Studierenden aus diesen Ländern bei. Und er trägt maßgeblich dazu bei, die Qualität der Lehre an ihren Hochschulen zu verbessern und sicher zu stellen.

Deutschland will Entwicklungspartnerschaften auf Augenhöhe. Daher ist es unabdingbar, dass in unseren Partnerländern Fach- und Führungskräfte ausgebildet werden. Sie sind es, die Innovationsprozesse im eigenen Land selbständig gestalten und umsetzen sollen. Sie sind es, die dazu beitragen können und sollen, ihr Land aus der finanziellen und technischen Abhängigkeit zu befreien.

Investitionen in die Ausbildung so genannter Change Agents sind Investitionen in eine nachhaltige Entwicklung eines Landes. Der DAAD bemerkt zu Recht, dass Hochschulen als Partner der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit immer stärker gefragt und gefordert sind. Der DAAD ist für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unverzichtbar geworden.

Mit der Förderung der Ausbildung von Fach- und Führungskräften, dem Wissenstransfer und die Vernetzung deutscher Hochschulen und Hochschulen in unseren afrikanischen Partnerländern sowie mit dem Aufbau leistungsfähiger Hochschulsysteme in diesen bereitet der DAAD in Afrika seit 40 Jahren die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung dieser Länder. Zahlreiche Führungspersönlichkeiten der afrikanischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind DAAD-Alumni.

Wir können und wollen nicht auf diese Talente verzichten. Mehr noch: Wir wollen mehr Talente sehen, weil Afrika sie braucht.

Und wir werden versuchen, dem Brain Drain entgegen zu wirken. Potenzial und Fachwissen dieser Fach- und Führungskräfte aus den zahlreichen DAAD-Programmen müssen der Entwicklung ihrer Heimatländer zugutekommen. Es wird dabei auch darum gehen, Kapazitäten auf- und auszubauen, damit rückkehrende Akademikerinnen und Akademiker eine qualifizierte Arbeit in ihrem Heimatland finden.

Und es wird darum gehen, die internationale Netzwerkbildung sowie den internationalen akademischen Austausch zu fördern.

In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere, das Programm Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit, das vom Bundesentwicklungsministerium gefördert wird, hervorheben.

Mit diesem Programm werden deutsche Hochschulen und ihre Partner in den Entwicklungsländern gefördert, und damit Projekte zur ökologischen Nachhaltigkeit, zur Bekämpfung extremer Armut und Hunger, zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten. Er hat die Aufgabe, wirkungsvolle und innovative Beiträge zur Verwirklichung entwicklungs­politischer Ziele zu erbringen. Und damit auch zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele.

 

Und hier schließt sich der Kreis meiner Rede.

Bildung ist von strategischer Bedeutung bei der Bekämpfung weltweiter Armut.

Ohne flächendeckende, inklusive und qualitativ hochwertige Bildungssysteme kann Wissen für Entwicklung nicht erreicht werden.

Sie sind das Fundament für die Heran“bildung“ von Menschen, die befähigt werden, ihr Leben besser und selbstbestimmt zu gestalten.

Sie sind das Fundament für die selbstbestimmte Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung ihrer Heimatländer.

Ich wünsche dem DAAD Afrikabüro mindestens weitere 40 Jahre erfolgreiche Arbeit in und für Afrika, dass wir – die internationale Gemeinschaft – es schaffen, allen Kindern den Zugang zur Grundschule als Fundament jeglicher weiterführenden Bildung zu ermöglichen, und dass möglichst viele Kinder und Jugendliche den Weg zur Hochschulbildung schaffen, um dann in den Genuss der zahlreichen, wissenschaftlichen Programme des DAAD zu kommen.

Ich schließe mit dem für mich und sicherlich für alle Anwesenden zentralen Artikel 26(1) der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte:

„Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muss allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offen stehen…“

 

– Ende der Rede –